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12. Auf ein Neues? – Abschneiden und nochmal von Anfang?

Nacharbeit von fehlerhaften CrimpverbindungenJeder der mit Handcrimpzangen arbeitet kennt das Problem und die damit verbundene Gewissensfrage: Die Crimpverbindung ist NICHT OK! Was nun? Abschneiden und NEU oder „Augen zu“ und die niO. Crimpverbindung durchrutschen lassen?

Nebenbei: Der wohl wichtigste Artikel wenn es um die Arbeit mit Handwerkzeugen geht!

Die Antwort kann nur sein: Abschneiden und NEU!!

Und ja, das Problem ist bekannt: Da haben Sie mit viel Mühe alle 11 Einzelleitungen mit einem Crimpkontakt versehen. Und wie es nun einmal so ist, irgendwo bei den letzten 3 Crimpverbindungen geht „Eine voll daneben“!

Abschneiden bedeutet, dass diese eine Leitung kürzer ist wie alle anderen Leitungen und dadurch u.U. das geforderte Längenmaß nicht mehr stimmt. Das wiederum bedeutet Sie müssen alle bereits i.O. vercrimpten Kontakte wieder abschneiden und vom Mantel noch ein Stück abisolieren. Und dann alles noch einmal NEU! Mit der Gefahr dass bei der nächsten Runde das gleiche „Missgeschick“ nochmals geschieht. Und irgendwann die Gesamtlänge von Ihrer Mantelleitung nicht mehr stimmt.

Die Alternative dazu ist das Risiko eines Ausfalls der Crimpverbindung! Wenn Sie beide Augen „zu drücken“ und diese schlechte Crimpverbindung NICHT ersetzen kann es eben, wie schon beschrieben, dazu kommen dass eine Reklamation und u.U. eine Regressforderung „ins Haus flattert“.

Zur Erinnerung sei hier nochmals ein Auszug aus dem 1. Artikel dieser Reihe rund um die Handwerkzeuge zitiert:

„Bei einem der letzten Seminare von KabelForum wurde mit geübten Werkern, bei denen die Arbeit mit der Handcrimpzange zum „Alltagsgeschäft“ gehört, ein Versuch gestartet. Querschnittsbereich: 0,25 mm². Eine Crimpverbindung die hier täglich produziert werden muss, mit den dafür bisher eingesetzten Werkzeugen.

Von 15 erstellten Crimpverbindungen waren alleine durch die erste, einfache Sichtprüfung schon 6 aus dem Rennen und die Bewertung „Gute Crimpverbindung“ und bei genauerem Hinschauen mit Hilfe einer Lupe waren es dann insgesamt schon 11 Crimpverbindungen die als „Schlecht“ zu bewerten waren. Ein extremer Fall? Die Erfahrung aus vielen Seminaren zeigt, dass es durchaus üblich ist bei der Erstellung von Crimpverbindungen beide Augen zuzumachen, wenn es um die „Sichtprüfung“ der Qualität geht. Legt man dann noch die hohen Qualitätsanforderungen z.B. aus der Automobilindustrie zu Grunde, bleibt keine i.O. Crimpverbindung übrig.“

Sicherlich waren bei diesem Experiment keine Positionierhilfen im Einsatz und der eine oder andere Hinweis den wir ja jetzt kennen wurde nicht beachtet. Trotzdem zeigen sich hier die Grenzen dieser Verfahrensweise in aller Deutlichkeit!

Verarbeiten Sie Querschnitte im Bereich von 0,75 mm² und größer, können Sie mit Handcrimpzangen hervorragende Qualität produzieren! Werden die Querschnitte und Crimpkontakte kleiner, wird es immer schwieriger die heute geforderte Qualität zu produzieren! Qualität wird hier direkt abhängig von der Tagesform, dem Gefühl und dem „Glück“ das ein Werker bei der Erstellung von Crimpverbindungen im kleinen Querschnittsbereich hat.

Jeder QS-Beauftragte bekommt spätestens jetzt, und das zu Recht „Schweißausbrüche“.

Also was tun?

Als Erstes muss hier die grundsätzliche Frage nach der gewünschten Qualität beantwortet werden.

Ist eine 100% Qualität gewünscht, dann sollten Sie sich grundsätzlich von der Arbeit mit Handwerkzeugen in den kleinen Querschnittsbereichen verabschieden und auf die bewährte Technik von Abisolierboxen, Crimpmaschinen / Strippercrimpern und MQC Schnellwechselwerkzeugen wechseln.

Was sind „kleine Querschnittsbereiche“? In dem Moment wenn Sie z.B. den Auslauf an einem Crimpkontakt ohne Hilfsmittel (Lupe/Mikroskop) nicht mehr sehen, genau dann sind Sie in diesen „kleinen Querschnittsbereichen“. Hier sind Positionierungsgenauigkeiten in Bereichen von 0,1 mm erforderlich. Was selbst mit Positionierhilfen sehr, sehr problematisch und voller Fehlerquellen ist!!

Die Investition rechnet sich nicht für Sie? Eine Lösung wäre dieses Produkt bei einem Kabelkonfektionär mit entsprechendem Equipment fertigen zulassen.

Machen Sie Abstriche bei der Crimpqualität müssen Sie für die Fertigung definieren welche Qualität für Sie noch akzeptabel ist. Welche möglichen Fehlerquellen und Schwachstellen daraus für das Endprodukt resultieren, ist dabei genauso wichtig wie die Akzeptanz dieser Qualitätsabstriche durch Ihren Kunden.

Abstriche an der geforderten Qualität?

Wir wissen dass die Ausbildung des Auslaufes (Trompete) direkt mit der Positionierung des Crimpkontaktes zusammenhängt. Ein fehlerhafter Auslauf ist für die Qualitätsbeurteilung ein absolutes KO-Kriterium. Ist der Auslauf falsch ist die Crimpverbindung definitiv und kompromisslos SCHLECHT und MUSS neu gemacht, also abgeschnitten werden! Da gibt es keine Abstriche die man machen kann! Und gerade bei diesen Mini-Kontakten ist das ein Hauptfehler (Auch mit Positionierhilfen!)

Die Crimpmaße werden vorgegeben über die Gesenke und verändern sich nicht. Und ist ein Crimpkontakt verbogen ist der Grund meistens eine falsche Positionierung des Crimpkontaktes im Gesenk. Und falsche Positionierung im Gesenk bedeutet wiederrum eine nicht optimale, bzw. falsche Ausbildung des Auslaufes.

Wie sieht es mit dem 2. Hauptfehler, der Positionierung der Leitung im Crimpkontakt aus. Wird die Leitung zu weit in den Kontakt geschoben, crimpen Sie im Drahtcrimpbereich auf Isolation. D.h. Sie bauen in die Crimpverbindung einen Isolator ein und dadurch verändert sich der Übergangswiderstand und somit die elektrischen Eigenschaften. Ebenfalls ein KO-Kriterium für die Crimpverbindung. Sie müssen in dem Fenster zwischen Isolationscrimp und Drahtcrimp nun mal Isolation und Litze sehen.

Sie benötigen gut ausgebildetes, erfahrenes Fertigungspersonal! Das darauf achtet das die geforderte Qualität auch erreicht wird. Das Qualitätskriterium „Der Kontakt hält auf der Leitung“ ist schon lange nicht mehr gültig. Da die Abstriche bei Qualität nur über die Sichtprüfung geprüft werden (Crimpmaße verändern sich ja nicht) entscheidet das Wissen und die Erfahrung des Werkers darüber ob die Crimpverbindung NOCH gut oder SCHON schlecht ist! Für die Mitarbeiter aus Ihrer QS Abteilung ein Horror.

Und Sie müssen, wenn Sie Abstriche an den Qualitätsanforderungen machen, das Risiko von Reklamationen akzeptieren.

Doch selbst hier gibt es erfahrungsgemäß Grenzen! Abhängig vom Querschnitt und der geringen Größe der Crimpkontakte ist eine Verarbeitung mit Handwerkzeugen bei einer halbwegs akzeptablen Qualität schlichtweg irgendwann nicht mehr möglich!

Eine Antwort auf die Frage was noch akzeptabel bezüglich der Crimpqualität ist, finden Sie in dieser Artikelreihe nicht. Aus gutem Grund! Es gibt dafür keine allgemeine Aussage!

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